Ach, ich weiß ja gar nicht so richtig, wo ich anfangen soll zu berichten…
Los gings ja Freitag Nachmittag, zuerst standen aber mal 3 Stunden Zwischenstop in Uppsala auf der Agenda, was uns die Reisezeit von insgesamt 24 Stunden nicht unbedingt versüßte. Die Fahrt im Nachtzug verging dann allerdings doch vergleichsweise „zügig“. Obwohl wir alle nur einen Sitzplatz gebucht hatten, war der Waggon leer genug, dass wir nach einer Weile zumindest auf jeweils einen Doppelsitz umziehen konnten, was einem das Schlafen ein wenig erleichterte. Außerdem war ich clever genug, mir sowohl mein Kopfkissen als auch meine Schlappen als Luxusgüter einzupacken. Beides erwies sich als ausgesprochen weise Entscheidung. Ich kann es nur jedem raten und werde es von nun an bei allen zukünftigen Reisen dieser Dimension wieder so machen.
Fast genau 24 Stunden später, um 13:30 Uhr am Samstag Nachmittag erreichten wir dann endlich unser erstes Ziel: Narvik (Norwegen). Wir befanden uns mittlerweile weit über dem Polarkreis, sodass es dort um diese Zeit schon wieder begann, dunkel zu werden. Die Sonne ging sowieso überhaupt gar nicht erst richtig auf. Jedoch hätte ich mir diese Ausmaße bei weitem dramatischer vorgestellt. Zwar erscheint die Sonne nicht wie gewohnt über dem Horizont, jedoch bedeutet „Dämmerung“ nicht, dass es viel zu dunkel ist. Man kann es mit einem bewölkten Tag vergleichen. Da sieht man die Sonne ja auch nicht und hell ist es trotzdem ;) Durch die frühe Dunkelheit wurde unser Zeitrhythmus jedoch ganz schön herausgefordert. Wir waren alle erstmal trainlagged.
Da wir bei der Frage nach der Unterkunft keine wirkliche Alternative hatten (es gibt halt nur ein Hostel), mussten wir uns mit dem zufrieden geben, was uns dort geboten wurde. Aufgrund des gefließten Bodens sah unser Zimmer eher nach Badezimmer oder Gefängniszelle aus und außerdem wohnten außer uns anscheinend nur wohlgenährte osteuropäische Gastarbeiter dort, dennoch war die Küche gut ausgestattet, sodass wir unser Abendessen selbst kochen konnten und dazu nicht ausgehen mussten, was sicherlich – man erinnere sich an die norwegischen Verhältnisse – sehr teuer gewesen wäre ;)

Nach dem Abendessen machten wir uns nochmal auf die Socken und wanderten einen ziemlich steilen, eisigen und damit auch sehr glatten Berg hinauf. Wir waren in erster Linie auf der Suche nach Polarlichtern, wollten von dort oben aber auch den Blick auf Narvik genießen. Es gibt zwar dort auch einen Sessellift, dieser eröffnet den Betrieb jedoch für die Öffentlichkeit erst zwei Tage vor Weihnachten (was wir leider nicht wussten!) und schipperte an diesem Abend ausschließlich Gäste einer Privatparty auf den Gipfel hinauf. Zu schade, dass wir dazu nicht eingeladen waren… Wir bekamen sogar etwas Leuchtendes am Himmel zu sehen. Ob es sich dabei aber nun wirklich um ein Polarlicht gehalten hat, konnte leider bisher nicht endgültig und zweifelsfrei geklärt werden. Da wir aber – ich will es schonmal vorweg nehmen – an den restlichen Tagen überhaupt nichts derartiges mehr zu sehen bekamen, weil es einfach immer zu bewölkt war, bleiben wir einfach mal dabei, dass es eines war :)

Am folgenden Morgen – hell wurde es so gegen halb 10 – erkundeten wir Narvik dann nochmal bei Tageslicht und stiegen den Berg vom Vorabend erneut hinauf, um neben den Lichtern der Stadt auch die umgebenden Fjorde mal zu Gesicht zu bekommen. Dabei fiel uns auf, wie viele hammermäßige Ausblicke wir am Tag zuvor verpasst hatten, weil man sie aufgrund der Dunkelheit einfach nicht sehen konnte^^
Nachmittags verließen wir Narvik dann schon wieder (es wurde ja sowieso schon wieder dunkel) und nahmen den einzigen Zug des Tages zurück nach Abisko. Die Bahnstrecke endet nämlich in Narvik, danach kommt nur noch Wasser.
Abisko ist ein verschlafenes Dörfchen mit gerade mal 80 Einwohnern und wird gemeinerhand als der schwedenweit beste Ort angepriesen, um die Polarlichter zu beobachten. Leider machten uns auch hier die Wolken einen fetten Strich durch die Rechung, sodass wir uns auch hier die Sesselliftfahrt zur Aurora Sky Station sparten. Die hätte immerhin um die 60 Euro gekostet und gesehen hätten wir da wahrscheinlich auch nichts. Da wir nicht wussten bzw. erwarteten, dass es in Abisko tatsächlich einen Supermarkt gibt, hatten wir uns Nudeln und Soße aus Norwegen mitgebracht, die wir abends in der gemütlichen Küche zubereiteten (wohlgemerkt ein ganzes Kilo!). Es gab keine Schlüssel für die Türen und der Herrbergsvater erinnerte mich an Peter Lustig, als er uns erklärte, wie wir energiesparend abwaschen und duschen können. Dieses Hostel war also mit Abstand das heimeligste und schönste, wenn wir es uns auch mit einer Horde seltsamer Chinesen teilen mussten, die alle von ihrem Mobiltelefon besessen zu sein schienen und sehr enttäuscht davon waren, dass es in Abisko (oder zumindest in unserem Hostel) keinen Internetzugang gab.
Nach einem kurzen Spaziergang zum nahegelegenen, wunderschönen See Torneträsk reisten wir dann um 10:30 auch schon weiter bzw. zurück nach Kiruna, welches wir auf dem Hinweg schon passiert hatten. Unser Hostel dort war leider nicht ganz so heimelig, sondern erinnerte eher an eine improvisierte Bauweise und großmütterliche Inneneinrichtung, war aber für den Preis absolut in Ordnung.
Nachdem wir uns mal wieder Nudeln gekocht hatten, stand für den Abend die Schlittenhundetour auf dem Programm. Dick – gaaanz dick eingepackt – wurden wir von unserem Guide abgeholt und nochmal in eine weitere Schicht Schneekleidung gewickelt. Ich muss an dieser Stelle jetzt aber ehrlich zugeben, dass ich mir von dieser Tour weitaus mehr versprochen hatte – gerade bei dem stolzen Preis von rund 90 Euro. Aber leider waren die Hunde sehr sehr aufgedreht und wild und vielleicht sogar ein bisschen aggressiv untereinander, da sie sich teilweise regelrecht gegenseitig angriffen, was mich schon ein bisschen stutzig machte. Ob das nun normal ist und sie vielleicht auch einfach nur aufgeregt waren und wollten, dass es endlich losgeht, weiß ich leider nicht. Nach der Fahrt war auf jeden Fall Ruhe. Vielleicht waren sie aber auch einfach nur zu erschöpft, weil der Guide statt 14 nur 10 Hunde angeschnallt hatte und unser Steuermann immer wieder anschieben musste, was mir auch irgendwie seltsam vorkam. Sowieso machte unser Guide nicht den allersympathischsten Eindruck. Uns wurde auch überhaupt nichts zu den Polarlichtern erzählt, obwohl wir ja absichtlich die Tour am Abend gebucht hatten, die als Nordlichtertour beworben wurde. Wir hielten dann auch nur ein Mal an um eine kurze Pause einzulegen, aber nicht ausdrücklich, um nach Nordlichtern Ausschau zu halten. Und dann lag auch noch vergleichsweise wenig Schnee, weil der Wintereinzug ja im ganzen Land verspätet ist und normalerweise um diese Zeit schon Temperaturen unter -15°C herrschen und ein Meter Schnee liegt. Also von der Hundeschlittentour war ich leider wirklich eher enttäuscht.
Dafür wurde ich von der nächsten Tour total überrascht, obwohl ich mir von dieser gar nicht so viel versprochen hatte. Die Rede ist von der Elchsafari, die wir am Morgen darauf unternahmen. Dabei fuhren wir im Minivan insgesamt fast fünf Stunden durch die Wildnis rund um Kiruna um nach Elchen Ausschau zu halten. Diesmal war unser Guide wirklich ausgesprochen sympathisch und wir verstanden uns auf Anhieb sehr gut mit ihm, was den ganzen Ausflug auf jeden Fall viel viel aufregender und lustiger machte als die Hundeschlittentour. Leider haben wir auf der gesamten Tour aber keinen einzigen Elch gesehen, wofür unser Guide ebenfalls den viel zu milden Winter verantwortlich machte. Im Extremwinter letztes Jahr hat er nämlich auf verschiedenen Touren immer wieder über 50 Elche entdeckt. Allerdings sahen wir eine ganze Menge Rentiere, die ja sowieso viel knuffiger und interessanter sind (zumindest meiner Meinung nach), sodass ich trotzdem voll zufrieden war mit unserer Tour. Und dann erließ uns unser Guide auch noch 150 Kronen vom ursprünglichen Preis, weil er uns so nett fand und weil unsere Safari so erfolglos war. Also den guten Mann kann ich absolut weiterempfehlen! :)
Am Abend unternahmen wir dann noch einen ausgedehnten Schneespaziergang, da dies ja nun unsere letzte Chance auf Polarlichter sein sollte. Leider wurden wir auch hier wieder enttäuscht, denn obwohl wir wirklich lange durch den Schnee stapften um weit außerhalb der Stadt zu sein und eine gute Aussicht zu haben, war es mal wieder zu bewölkt um irgendetwas sehen zu können.
Am nächsten Morgen (Mittwoch), unserem letzten Tag in Kiruna, nahmen wir dann den Bus ins einige Kilometer entfernte Örtchen Jukkasjärvi, wo alljährlich das berühmte Eishotel aufgebaut wird. Dort gibt es zudem eine sehr sehr alte Holzkirche zu betrachten. Sowie eine Insel im See, der allerdings im Winter zufriert, sodass die Insel quasi wieder ans Festland angebaut wird, was irgendwie seltsam aussieht. Jedenfalls dauerte es eine Weile, bis wir realisierten, dass es sich um die Häusergruppe am Horizont eigentlich um eine Insel handelte…
Dieses war dann auch der einzige Tag, an dem wir mit wirklich arktischen, eigentlich für diese Jahreszeit „normalen“ Temperaturen konfrontiert wurden. Das Thermometer fiel nämlich auf -19°C, sodass ich schon nach wenigen Minuten Angst hatte, dass mir bald die Nase abfällt. Dummerweise ist der öffentliche Nahverkehr so weit nördlich sogar noch schlechter ausgebaut als der in Falun, sodass wir zwar morgens um 9 den Bus zum Eishotel nehmen konnten, der nächste Bus zurück aber erst um 14 Uhr nachmittags abfuhr. Da wir nicht wirklich eine Alternative hatten (außer draußen zu erfrieren), kehrten wir also in ein Restaurant ein, welches zum Eishotel gehörte. Dort wurden wir allerdings nicht bedient. Im Gegenteil: von der Kellnerin wurden wir mit Verachtung gestraft und sie ging nur umher, um die Kerzen auf den Tischen auszublasen – auch auf unserem. Wohlgemerkt waren wir die einzigen Gäste und selbst da würdigte sie uns keines Blickes. Was wir falsch gemacht haben, konnten wir leider nicht herausfinden, da sie sich ja auch mit keinem Wort an uns wendete, sodass wir, nachdem wir uns ein wenig aufgewärmt hatten, aufgaben und in die Lobby des Eishotels umzogen, die ebenfalls aus einem richtigen Gebäude und nicht aus Eis bestand und in der außerdem Pfefferkucken und Glögg umsonst auslagen, womit wir uns als Entschädigung reichlich eindeckten, während wir auf den Beginn unserer Führung warteten.
Sich das Eishotel einmal anzusehen, auch wenn sich ein Teil davon noch im Bau befand, hat sich auf jeden Fall echt gelohnt. Der Teil, der die Suiten beherrbergt, war auch schon aufgebaut und dieser ist sowieso der interessanteste, da im anderen Teil alle Zimmer gleich aussehen, während dort jedes Zimmer von einem anderen Künstlerpaar designt wird. Teilweise waren da schon sehr ausgefallene Werke am Start. Aber trotzdem muss man doch verrückt sein, dort zu schlafen und dafür auch noch ne ordentliche Stange Geld auszugeben. Angeblich sinkt die Temperatur innen nie unter -5°C. Dazu sage ich erstmal: wer’s glaubt, wird seelig! Und selbst wenn es stimmt: wer will denn schlafen bei -5°??? Wahnsinn…
Zurück in Kiruna legten wir nach einem kurzen Besuch einer weiteren Holzkirche noch schnell eine kleine Fika ein, um ein wenig Zeit totzuschlagen, bis um 17:30 dann unser Zug zurück gen Süden losfuhr. Dieses Mal standen uns sogar nur 17,5 Stunden Fahrtzeit bevor, die letztendlich am folgenden Morgen sogar noch um 1,5 Stunden verkürzt wurde. Und zwar hätten wir, da wir natürlich das billigste Ticket gebucht hatten, eigentlich unterwegs irgendwo aussteigen und einen Bus nehmen, dann über eine Stunde in einem winzigen Kaff warten, dann in einen anderen Bus steigen und damit nochmal 1,5h nach Falun schippern müssen. Allerdings hatte unser Nachtzug zum ersten Mal seit ich in Schweden weile, Verspätung, wodurch wir den ersten Bus verpassten. Noch bevor wir dort jedoch überhaupt ausstiegen, fragten wir beim Schaffner nach, was wir denn tun sollten, falls der Bus nicht auf uns warten würde. Nachdem er uns versichtert hatte, dass der Bus ganz sicher nicht auf uns warten wird, sah er kurz auf seinem Smartphone nach und bot uns an, mit dem Zug weiterzufahren bis nach Gävle, wo ein Regionalzug nach Falun abfahren würde. Damit waren wir dann wie gesagt 1,5h früher am Ziel, wir mussten keinen Cent extra zahlen und im Regionalzug genügte die Aussage, dass wir aufgrund einer Zugverspätung unseren ursprünglichen Anschluss verpasst hatten, was von der Schaffnerin dort überhaupt in keinster Weise hinterfragt wurde und wir einfach so mitfahren konnten. Während man in Deutschland also daran gewöhnt ist, dass Zugverspätungen einem nur Ärger und Stress bringen, man stundenlang auf weitere Verbindungen warten und wahrscheinlich noch draufzahlen muss und auf mürrisches Zugpersonal stößt, wird man in Schweden bei einer Zugverspätung sogar soweit entschädigt, dass man früher zu Hause ankommt, als eigentlich geplant…
Ach, die Schweden… Ich weiß nicht, wie sie das machen, aber irgendwie kriegen sie schon so einiges besser hin als zu Hause. Man sollte sich mal eine Scheibe davon abschneiden – wenn man denn wüsste, von was genau!!